Ein kleiner
Bericht in Deutsch
von Erika Mager
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Il Cilento - das unbekannte Paradies jenseits von Eboli

Einer
der größten Nationalparks Italiens erwacht aus
seinem Dornröschenschlaf
Noch
ist er ein Geheimtipp - der Cilento, sucht man ihn doch oft
vergebens in den Reiseführern. Diese berichten von Paestum,
machen dann aber einen Sprung nach Sizilien und Sardinien
und unterschlagen eines der schönsten Fleckchen italienischen
Bodens.
Und direkt hinter
Paestum beginnt er auch schon. Er gehört zur Provinz
Salerno, im Land Kampanien, von dem vor allem die Touristenmagnete
Capri, Ischia und die Amalfiküste bekannt sind. Aber
vor einem Vergleich muss sich der Cilento nicht scheuen.
Türkisblaues
Wasser, schroffe Klippen, sanft geschwungene Buchten mit sauberen
Stränden bilden den Kontrast zu immergrünen Eichenwäldern,
karstigen Felsen, tiefen Schluchten und lieblichen Olivenhainen.
Die Dörfer scheinen sich auf die steinigsten und unfruchtbarsten
Stellen zu drängen, um keinen Handbreit des Bodens zu
verschwenden, dem sie in mühevoller Arbeit Zitronen,
Wein und Oliven abringen.
Der
Esel ist wie in Vorzeiten gutmütiges Transporttier, wo
selbst die dreirädrige Ape nicht mehr hinkommt. Trutzige
Kirchlein schauen grau aus dem Grau der Häuschen. Hier
und da Ruinen, Wehrtürmchen, Zitadellen, die von der
Bedrohung durch die Sarazenen und den vielen anderen Eroberern
erzählen, die diese Landschaft im Laufe der Jahrtausende
gesehen hat.
Die
Geschichte vom Aufstieg und Kultur des Abendlandes begann
hier als "Magna Grecia" ( Großgriechenland) - unter
diesem Namen wurde ganz Süditalien vor etwa dreitausend
Jahren als neuer Lebensraum der Griechen "eingemeindet". Augenfälligstes
Beispiel sind die Tempel von Poseidonia, von den Römern
später in Paestum umbenannt. Auch Ortsnamen, wie Agropoli
(Akropolis = hochgelegene Stadt) oder Scario (Skariòs
= kleine Schiffswerft) zeugen von ihren griechischen Anfängen.
Berühmte griechische Philosophenschulen, wie z.B. die
von Parmenides, wurden hier gegründet. Die bekanntesten
griechischen Heldensagen spielten sich gerade hier ab - eine
Tatsache, die in den Schulbüchern nordeuropäischer
Kinder scheinbar zu erwähnen vergessen worden ist.
Schon
vor Millionen von Jahren war die Gegend bewohnt. Zahlreiche
Funde in den mehr als zweihundert Höhlen beweisen es.
Neben der Attraktion, ein überreiches Kulturerbe zu besitzen,
kann der Cilento auf eine einzigartige Fülle von Naturschätzen
stolz sein. Wunderschöne Berg
strecken
führen durch das Innere des Cilento. Alte Städtchen
wie Roccadaspide, Castel San Lorenzo oder Bellosguardo (=
schöne Aussicht) sind meist hochgelegen, gedrängt
auf Berghöhen, und bieten herrliche Ausblicke auf weitgeschwungene
Täler. Die höchsten Gipfel erreichen fast die zweitausender
Grenze - mit 1898 müM ist der Monte Cervati zugleich
der höchste Berg Kampaniens. Die Schluchten der Flüsse
Alento, Sele, Calore - um nur die wichtigsten zu nennen -
schneiden sich tief in die grüne Landschaft. An ihren
Hängen leuchtet weiß der bloße Fels. Hier
findet noch der Königsadler seine begehrten Nistplätze,
der Fischotter ist immer noch heimisch und sogar ein paar
Wolfsfamilien gibt es hier. Der Wanderer hat nichts von diesen
scheuen Tieren zu befürchten; gefährlicher sind
die Wildschweinhorden, die den fruchtbaren Waldboden nach
Kastanien und Eicheln durchpflügen. Zweimal im Jahr kommen
sich Mensch und Tier auch bei der Suche der begehrten Funghi
Porcini (Steinpilze) in die Quere. Geduldige Naturbeobachter
können seltene Schmetterlinge entdecken, die andernorts
längst keinen Lebensraum mehr finden. Die Primel von
Palinuro (Primula palinuro) ist zum Wahrzeichen des Nationalparks
geworden, und Punta Licosa ist stolz auf seine Aleppokiefern
(Pinus halepensis).
Mit
mehr als 100 km Küstenlinie am tyrrhenischen Meer zwischen
Paestum und Sapri und über 180 000 Hektar Landfläche
ist der "Parco Nazionale del Cilento e Vallo di Diano", so
sein offizieller Name, einer der größten Nationalparks
Italiens. Seit 1973 geplant, 1991 eingeweiht, präsentiert
er sich heute in den mehrfach diskutierten und veränderten
Grenzen von 1995. Er zählt außerdem zu den 329,
von der UNESCO weltweit anerkannten Biosphärenreservaten
der Welt. Nicht jedem der betroffenen Einwohner ist der Nationalparkgedanke
nahe zu bringen; manchem scheinen Industrieansiedlungen mehr
Arbeitsplätze und Reichtum abzuwerfen, als es der Tourismus
vermöchte. Gute Anfänge sind jedoch gemacht und
vielversprechende Initiativen zeigen bereits schöne Erfolge.
Die Sünden, die in anderen Orten touristischen Interesses
aus Spekulationswut und falscher Beratung begangen wurden,
konnten hier vermieden werden. Di
e
Bedeutung des Kleinods Cilento wurde erst relativ spät
erkannt, so dass aus den Fehlern und Problemen der anderen
gelernt werden konnte. Hotels, Restaurants und ausgearbeitete
Routen für jeden Geschmack wurden und werden so geplant,
dass alles kompromisslos zum Konzept des "sanften Tourismus"
passt.
Was
verbinden Sie mit richtigem Urlaub? Welches ist Ihr ganz geheimer
Ferienwunsch? Sie haben lediglich die Qual der Wahl! Stellen
Sie die richtige Frage - im Cilento finden Sie die Antwort!
Außer mit dem Wolkenkratzer in einer lärmenden
Großstadt, kann hier so ziemlich mit allem gedient werden.
Tauchen, Segeln, Radfahren, Trekking, Naturbeobachtung, Wassersport
aller Art ... Archäologie, Geschichte, Kultur ... die
Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Oder möchten
Sie vielleicht einen Blick hinter die Kulissen werfen und
lernen, wie Mozzarella, Olivenöl, Limoncello oder Wein
hergestellt werden?
Fremdenverkehrsämter und Reiseveranstalter vor Ort stellen
ein gut ausgebildetes freundliches Team, welches den Reisenden
berät und begleitet, um so den Aufenthalt im Cilento
zu einem besonderen Erlebnis werden zu lassen. Tatkräftige
Unterstützung kommt dabei von den Menschen des Cilento,
die durch ihre harten Lebensbedingungen und ihre wechselhafte
Geschichte zu wahren Experten in Gastfreundschaft und Nachbarschaftshilfe
geworden sind. Sie haben außerdem ihr Brauchtum und
ihr Folklore bewahrt. Bei den zahlreichen Festen im Jahreskreis,
zu denen sie Gäste herzlich willkommen heißen,
ist noch zu spüren, dass sie für sich und aus echter
Freude feiern. Es bleibt zu wünschen, dass diese Frische
und Natürlichkeit nicht verloren geht, wenn mehr Reisende
dieses schöne Land besuchen wollen.
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